Physik

In Sachen Physik stehen im Lehrplan schon immer viele Themenschwerpunkte, die alle vermittelt werden wollen. Verglichen mit PC Spielen, haben wir im Physikunterricht aber eine sehr hohe Vermittlungs- und Begeisterungsschwelle zu überwinden, da ist auch “Gamification” nur ein unzureichendes Fachwort und Hilfsmittel. Der Königsweg der Wissenschaft ist deshalb, Wissenschaft nicht zu verspielen und nicht mit Formeln vollzupumpen. Unserer Erfahrung nach muss der Stoff nur gut angeboten werden, anfassbar, und schon experimentieren die Schüler selber. Die Neugierde steckt auch noch in den Oberstufenschülern. Und sehen wir der Tatsache ins Auge, die Tafel ist “cool”, wenn sie jeden Tag in der Küche hängt, aber ab und an mit einer App arbeiten, lock die “Kids” eben erst hinter der Ecke hervor.

Also braucht es “die perfekte Physik-App” –  vonwegen Banane 🙂

Anfangs dachten wir: “Das wäre toll, wenn alle Themen in einer App umgesetzt wären!”

Es stellte sich aber schnell heraus, dass das technisch und von der fachlichen Komplexität und Genauigkeit her völlig unsinnig ist. Ob man in einer Unterrichtsepisode eine App braucht oder nicht, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Ich würde mich bei einer unruhigen Klasse zum Beispiel fragen, was der Königsweg ist: Ihnen Tablets geben, die sie zerstören werden? – oder Ihnen Tablets geben, damit sie endlich interessiert und aktiv mitmachen?

Da muss jeder Lehrer seine Klasse ganz selbstständig und verantwortungsbewusst einschätzen, sowie seine eigene Kompetenz. Die Medienkompetenz eines Lehrers würden manche meiner Kollegen schon als zentrale Lehrer-Fähigkeit einstufen wollen, könnten sie das. Andere würden dieses Thema lieber in der Baugrube nebenan verscharren.
Ersteren gebe ich da gerne mehr Recht: Medienkompetenz müsssen wir nicht nur den Schülern lehren, wir sollten das auch selbst sein, um so Abwechslung in den Unterricht bringen zu können 🙂

Es gibt Themengebiete, da eignet sich der “alte” Unterricht hervorragend zur Wissensvermittlung, und dann sind da noch die anderen Gebiete, wo das eben nicht der Fall ist und hier sollten wir schnell umschwenken können, um an den Schülern zu bleiben.

Abgestrahlte Lichtwellen
Apps können eine Quell der Abwechslung im Unterrichtsalltag sein

Aber um es klar zu sagen, noch gibt es nicht die riesen Auswahl für Lehr-Apps in den Stores. Es gibt alles, von den AllinOne Appsversuchen, bis hin zu den recht speziellen Anwendungen. Ein mittelmäßig gelungener Versuch alles unter einem Hut zu vereinen ist die App eines Tschechischen Physiklehrers: Sie heißt “Physik in der Schule” und bietet vorgefertigte Experimente, die man einfach an- oder ausstellen kann. Die Bandbreite, die er damit abdeckt ist enorm, aber die Perfektion und die Experimentiermöglichkeiten, die andere speziellere Apps, wie LightWave Studio beispielsweise im Bereich Optik anbieten sind einfach besser. Auch Monster Physics – ist das Applet auch für Kinder gemacht – bedient eben nur das Thema Mechanik und macht die Materie deshalb gleich viel anfassbarer.

Zu guter Letzt sollte nochmal unterstrichen werden, dass es natürlich nicht angehen kann die Welt nur in schwarz/ weiß zu zeichnen. Weder gibt es nur eine App, die alles kann, oder ultimativ taugt, noch ist der bisherige Unterricht verstaubt oder das Non-plus-Ultra. Viele eher verstehe ich es so, dass wir mit Hilfe von Apps Stoff leichter vermitteln können, der am Schluss wieder in annähernd althergebrachter Form festgehalten wird.